Ja was kann er den überhaupt?
In der Kategorie Referenzen finden sich die wichtigen Dinge bei denen ich mitgearbeitet habe. Es ist kein vollständiger Überblick. Die wichtigsten Bereiche meiner Tätigkeiten sollten benannt sein.
Ja was kann er den überhaupt?
In der Kategorie Referenzen finden sich die wichtigen Dinge bei denen ich mitgearbeitet habe. Es ist kein vollständiger Überblick. Die wichtigsten Bereiche meiner Tätigkeiten sollten benannt sein.
Meine Seite brandus.de war nie wirklich vom Netz, jetzt habe ich mich entschlossen wieder etwas von mir hier zu erzählen. Angefangen habe ich mit meinen Predigten in der Vorbereitung zum Prädikantendienst. Mehr wird später folgen.Geplant ist hier, die Sachen vorzustellen, die ich die letzten Jahre aus und mit Begeisterung gemacht habe.
Liebe Gemeinde,
wir sind im Kirchenjahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Zwischen dem Tag, von dem die Bibel berichtet, dass eine Wolke Jesus aufnahm, die Jünger ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, und dem Tag, an dem er den Tröster sendete. Er hat ihnen den Heiligen Geist versprochen,… irgendwann soll er kommen. Irgendwann, so wussten es die Jünger, würde irgendetwas passieren.
Noch auf dem Ölberg dachten die Jünger, also unmittelbar vor der Himmelfahrt, Jesus würde bald das Reich Gottes aufrichten. Das Reich Gottes kommt nicht mit Gewalt. Es kommt leise durch die Liebe unter uns. Haben das die Jünger bis Himmelfahrt noch nicht begriffen?
Wir haben gut Reden. Wir leben nach Pfingsten. Wir wissen um die Ausgießung des Heiligen Geistes. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass die, die hier noch ungläubig fragen, eine Woche später die erste Gemeinde gründen werden. Der, der vor wenigen Wochen noch Jesus verleugnete, wird eine mitreissende Predigt halten. Durch das Wirken Gottes entsteht eine Gemeinde von ca. 3000 Menschen – an nur einem Tag.
Und heute vor vielen Jahren? Eine Woche vor Pfingsten? Die Jünger –es sind noch 11– sitzen einmütig beisammen und wissen aber nicht so recht, wie weiter.
Wie gut kann ich mich in deren Situation hineinversetzen – und ich bin mir sicher, jeder von uns hat dies irgendwann einmal erlebt. Da ist etwas Großes in unserem Leben passiert. Etwas, wo uns klar wird, so wie es bisher war, kann es nicht – zumindest nicht auf Dauer – weitergehen. Wann etwas passiert, ist unklar. Dass etwas passiert, ist sicher.
Zu Pfingsten ist etwas passiert. Die Jünger haben zu Pfingsten begriffen, was Jesus wollte. Was seine Botschaft vom nahen Gottesreich bedeutete; eben nicht das, was sie erwartet haben. Dass, was wir wissen; dass, was die Epheser in dem Brief des Paulus lesen, aus dem unser heutiger Predigttext ist, – all das war den Jüngern zu dem Sonntag vor Pfingsten noch unbekannt. Ihnen fehlte – mit den Worten des Bibeltextes – noch die rechte Erkenntnis….
Ich möchte den Predigttext nochmal lesen:
14Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, 16 und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt. 17 Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, 18 sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen 19 und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. 20 Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, 21 er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen. (Eph 3,14-21)
Paulus packt in diese wenigen Zeilen so viele Fakten, über die es sich nachzudenken lohnt. Bei der Predigtvorbereitung bin ich an verschiedenen Satzfetzen hängengeblieben. Ich will diesen Text einmal mit meinen Worten wiederholen. „Gott möge uns im Inneren Stärke schenken. Wir sollen zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Größe und Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. Gott will an uns so unendlich viel mehr tun. So mächtig ist die Kraft, mit der er in uns wirkt.“
Ich möchte ein Stück einer Lebensgeschichte erzählen. Sie spielt im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung.
George Williams wurde 1821 auf einem Landgut im Südwesten Englands geboren. Eigentlich sollte er, wie schon sein Vater und Großvater, Landwirt werden. Nachdem er im Alter von 15 Jahren während der Ernte mit einem Pferdegespann voll Heu in den Graben fuhr, beschloss seine Familie, ihn als Lehrling in ein Handelshaus zu geben.
Die Predigt eines warmherzigen Evangelisten traf das Herz des jungen George. Er wurde ein eifriger Zeuge Christi. Als er nach Ende seiner Ausbildung zwanzigjährig nach London ging, wohnte er zusammen mit anderen Angestellten seines Alters – wie damals üblich – im Haus seines Chefs. Nach der offiziellen Nachtruhe um 11 spielten die jungen Männer Karten und tranken Brandwein, so dass gelegentlich die Arbeit am folgenden Tag darunter litt.
Nicht so George Williams. Er half seinen Kameraden mit einer bewundernswerten Dienstbereitschaft, wenn diese ihre Pflichten versäumten, weil sie wiedermal zu viel getrunken hatten.
Da ist wieder diese Liebe, von der wir schon im heutigen Predigttext gehört haben. Die Liebe, die über der Erkenntnis steht. Er weiß, warum die Kameraden ihre Pflichten versäumen. Aber er urteilt nicht, er hilft ihnen. Und die Früchte seines Einsatzes..? Er gewann so ihre Freundschaft und ihr Vertrauen. Und viele Kameraden kamen zu ihm, wenn sie Sorgen hatten. Er durfte sie dann auf das hinweisen, was er selbst im Glauben als Heil erkannt hat.
Die Kameraden trafen sich regelmäßig zum gemeinsamen Gebet und zum gemeinsamen Bibelstudium in einem kleinen Dachzimmer. Immer wieder kamen weitere junge Männer dazu. Bald wurde das Zimmer zu klein. Sie beschlossen, sich deshalb an den Chef zu wenden und ihn um die Überlassung eines größeren Raumes im Geschäftshaus zu bitten. Die Liebe, die diese jungen Männer verbreiteten, strahlte über ihren Kreis in das ganze Geschäft hinaus. Sie bekamen einen größeren Raum.
Und dabei entwickelte der Kreis eine Kraft, von denen sie nichts bewusst mitbekommen haben. Die Liebe Gottes, die sie verbreiteten, beeinflusste ihre tägliche Arbeit, ihren Umgang miteinander, die Begegnungen mit Kunden… Dass sie dabei Kraft von Gott geschenkt bekommen haben, dieses andere Auftreten zu entwickeln, haben sie gar nicht mitbekommen.
Und wenn ich mir vor Augen führe, was aus dieser kleinen Schar Menschen geworden ist, dann stehe ich staunend vor einem großen Werk Gottes.
Die Arbeit, die George Williams tat, motivierte andere, Gleiches zu tun. In anderen Firmen Londons und darüber hinaus fanden sich junge Menschen zum Gebet und zum Bibelstudium. Im Jahr 1844 gründeten die jungen Männer den ersten Christlichen Verein Junger Männer, den ersten CVJM. Seit dem Eintreffen von Williams in London waren gerade drei Jahre vergangen. Bereits elf Jahre später hatte die Arbeit, die ein Einzelner begonnen hatte, sich über weite Teile der westlichen Welt verbreitet, so dass man im August des Jahres 1855 in Paris die erste CVJM-Weltkonferenz abhielt.
Da hat ein kleiner junger Mann, der mit dem Pferdewagen voll Heu in den Graben gefahren ist, auf das gehört, was Gott in sein Herz gegeben hat und damit Großes bewirkt. Er gab die Liebe Christi zu den jungen Menschen weiter, weil ihm das Leid der Jugend in der beginnenden Industrialisierung nicht egal war.
Wenn ich solche Berichte höre, stehe ich staunend da. Ich freue mich über das, was geworden ist. An dieser Stelle könnte ich noch mehr solche Beispiele bringen. Vom Schmuggel von einer Million Bibeln nach China, von den Friedensgebeten 89, die ein politisches System zum Einsturz gebracht haben und von kleinen Wundern des Alltags, wenn Menschen sich die Liebe von Gott schenken lassen und voller Zuversicht vorangehen.
Am Anfang stehen immer Einzelne, deren Herz von einer Situation angesprochen wird. Diese Menschen merken irgendwann, dass irgendwas nicht stimmt. Dass sie unzufrieden sind: George Williams – mit den Lebensgewohnheiten der Gleichaltrigen in London; die Initiatoren der Friedensgebete – mit der Situation in der DDR; die Bibelschmuggler – mit der Situation der Christen in China. Diese Menschen haben eine Not erkannt und in der Liebe Christi gehandelt.
Auch zu unserem Herzen -da bin ich überzeugt- spricht unser himmlischer Vater, der ja durch uns wirken will; der uns die verändernde Liebe Christi erkennen lassen will.
Mitten in unsere Alltagsroutine hinein können wir seine Stimme vernehmen. Anfangs tun wir diese Stimme vielleicht als Einbildung ab. Oder sagen uns. dass wir an dem, was nicht stimmt, nichts ändern können. Vielleicht reden uns andere diese Stimme nieder. Vielleicht tun wir es selbst, weil wir andere Aufgaben zu haben glauben; weil uns Verpflichtungen binden.
Wenn ich mich frage, was flüstert mir Gott ins Herz? Wenn ich auf diese Stimme höre, was höre ich dann? Wenn wir uns als Gemeinde fragen, was Gott zu uns spricht, was hören wir dann? Wenn wir uns Christen hier im Ort fragen, was hören wir dann? Wozu gibt Gott uns Kraft und Liebe und verheißt uns Fülle?
Tief in uns wissen wir, da schlummert eine große Sehnsucht nach Vertrautheit, nach Schönheit und Abenteuer. Mögen wir das auch als nichtig abtun, wenn Gott uns wieder und wieder ruft. Er hält etwas für uns bereit… etwas, was all unsere Sehnsüchte erfüllt.
Gott hat das Leben so eingerichtet, dass es nur gelingt, wenn wir die selbst geschaffenen Sicherheiten verlassen und das Risiko als Chance in unserem Leben willkommen heißen. Wenn wir unser Leben in der Erwartung anderer leben, wenn wir es gegen alle Eventualitäten absichern, so dass garantiert nichts schief gehen kann, wie sind wir dann frei und offen für das Gottes Wirken, für das, was Paulus erbittet.
Wenn wir tun könnten, was wir wirklich tun wollen – was würden wir tun? Also jeder Einzelne von uns, wie auch wir als Gemeinde. Frei nach dem Abschnitt des Epheserbriefes „Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir [uns] erbitten oder uns ausdenken.“
Tun wir das, was Gott uns ins Herz flüstert, wozu uns unsere heilige Sehnsucht drängt- da bin ich überzeugt- werden Dinge passieren; wird Gott durch uns viel mehr Gutes werden lassen. Es werden Zeugnisse von Gottes Liebe sein. Es werden Dinge passieren, dass wir staunend da stehen. Lassen wir uns bewegen oder bleiben wir ratlos sitzen. Es liegt an jedem Einzelnen von uns.
Der junge George Williams hat es für die jungen Männer in London getan; die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzten, damit die Brüder und Schwestern in China eine Bibel bekommen, haben es getan; die Menschen, die im Oktober 89 auf die Straße gingen, haben es getan.
Wir auch? Ich auch? Höre ich auf Gottes liebevolles Werben um mein Herz?
Wenn wir auf Gottes Stimme in unserem Herzen hören, brauchen wir nicht so ratlos stehenbleiben, wie einst die Jünger an Himmelfahrt.