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… ganz ich.

Annaberg, ab Winter 2011
Pressearbeit, Werbung

Mit der Auswertung von annaberg gospelt 2010 begannen gleichzeitig die Vorarbeiten für annaberg gospelt 2012.  Die Leitung hat Annelie Weiser. Ich unterstütze sie bei allen kommunikativen Aufgaben wie PR, Fondraising, web

Annaberg, ab Winter 2010
Pressearbeit, Werbung
In Absprache mit den anderen Mitarbeiters des Leitungskreises organisierte ich Werbung (Print, Web) und Pressearbeit. Teil der Arbeit war für mich eine tägliche Berichterstattung auf annaberggospelt.de.

Seit zwei Tagen musste er schon um acht ins Funkhaus kommen, gleich ins Studio rennen und mit der Arbeit beginnen. Er hatte vom Intendanten den Auftrag erhalten, die beiden Vorträge über das Wesen der Kunst, die der große Bur-Malottke auf Band gesprochen hatte, den Anweisungen gemäß zu schneiden. Bur-Malottke, in der religiösen Begeisterung des Jahres 1945 konvertiert, hatte plötzlich „über Nacht“, so sagte er, „religiöse Bedenken bekommen“, und war zu dem Entschluss gekommen, Gott, den er in seinen halbstündigen Vorträgen über das Wesen der Kunst oft zitiert hatte, zu streichen und durch eine Formulierung zu ersetzen, die mehr der Mentalität entsprach, zu der er sich vor 1945 bekannt hatte.
Bur-Malottke hatte dem Intendanten vorgeschlagen, das Wort Gott durch die Formulierung „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ zu ersetzen. Er hatte sich geweigert, die Vorträge neu zu sprechen, sondern darum gebeten, Gott aus den Vorträgen herauszuschneiden und „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ hineinzukleben.
Bur-Malottke war mit dem Intendanten befreundet. Aber nicht diese Freundschaft war die Ursache für das Entgegenkommen des Intendanten: Bur-Malottke widersprach man einfach nicht. Er hatte zahlreiche Bücher essayistisch-philosophisch-religiös-kulturgeschichtlichen Inhalts geschrieben. Er saß in der Redaktion von drei Zeitschriften und zwei Zeitungen. Er war Cheflektor des größten Verlages.
Er hatte sich bereit erklärt, am Mittwoch für eine Viertelstunde ins Funkhaus zu kommen und das Satzstück „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ so oft auf Band zu sprechen, wie Gott in seinen Vorträgen vorkam.

Jenes höhere Wesen das wir verehren – anstatt Gott.

Diese Satire von Böll ist einige Jahrzehnte alt, zugleich hoch aktuell und doch uralt. Für den wichtigen Bur-Malottke war der persönliche Gott auf einmal nicht mehr radiotauglich. Statt sich mit Gott auseinander zu setzen, verkleinert er ihn zu einem verehrten Wesen. Gott könnte Rechenschaft fordern, ein höheres Wesen verehren wir – nur.
Der nächste Schritt wäre dann, Gott auf ein Gedankenprinzip allen Seins zu reduzieren. Somit wird Gott von einem allmächtigen Herrscher zu einem Produkt menschlicher Erkenntnis. Wir verkleinern ihn vom Schöpfer zum Gedanken.
Ist Gott heute medientauglich, gesellschaftstauglich…?
Schon Paulus hatte mit Problemen ähnlicher Art in den recht jungen Gemeinden zu kämpfen. Wir wollen auf den Predigttext des heutigen Sonntags hören. Er steht im ersten Brief an die Korinther im ersten Kapitel.
18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. 19 Denn es steht geschrieben: »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« 20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. 22 Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, 23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Korinth. Eine Gemeinde, die unter vielen verschiedenen Einflüssen stand. Die griechische Stadt war ein Gemisch vieler Kulturen. Griechen, Phönizier, Römer, Einflüsse aus dem Orient, dem gesamtem Mittelmeerraum… In diesem bunten Gemisch gründete Paulus hier bei seiner zweiten Missionsreise eine Gemeinde. So bunt die Stadt war, so verschiedenartig die einzelnen Menschen der Gemeinde. Die Unterschiede führen zu Spannungen, die Brüder und Schwestern in Korinth sind sich uneins. Paulus haben vor der Abfassung seines Briefes mehrere Klagen von Gemeindegliedern erreicht. Neben konkreten Anliegen der Korinther, geht er auf die Spaltungen in der Gemeinde ein. Da gibt es welche, die berufen sich darauf, von Paulus die Gute Nachricht erfahren zu haben. Da sind einige von Apollos getauft worden, andere wollen zu Paulus gehören , andere halten sich an Kephas…
Die einen dies, die anderen das.
Für Paulus spielt es keine Rolle, wer wen getauft hat. Alle sind auf Christus getauft, weil Christus gekreuzigt worden ist, nicht Paulus, nicht Apollos, nicht Käsmann, nicht Parzany, nicht Fliege, auch nicht Bultmann, nicht Anselm Grün.
Paulus gibt sich nicht damit zufrieden, dass es in der Gemeinde Streitereien gibt. Sie haben die Mitte aus dem Blick verloren haben. Mit viel Herzblut schreibt er nach Korinth und kommt schnell auf diese Mitte zu sprechen. Es ist das Wort vom Kreuz – dem Glauben an den auferstandenen Messias, der Glaube – der Einheit und nicht Zwietracht bringt, der Glaube – der auf Vertrauen auf Gottes Gnade baut und nicht philosophische Erkenntnisse über Gottes Wesen lehrt oder auf Wunder baut. Eine Botschaft, die unabhängig von einem Wunderglauben ist und auch nicht nur auf den Intellekt der Hörer abzielt.
Auch im christlichen Glauben gibt es Menschen, die Wunder und Machttaten einfordern. Paulus kritisiert diese Wundergläubigkeit.
Uns begegnet diese Form der Frömmigkeit auch heute noch. Menschen machen ihren Glauben an den Dingen fest, die sie erlebt haben. An Eindrücken, die einzelne hatten. An Geschehnissen, die vorbei sind.
Ich bezweifele nicht, dass Wunder passiert sind. Nur was geschieht mit dem Glauben – wenn nichts mehr passiert, wenn Wunder ausbleiben? Wenn einer stirbt, für den Heilung erbeten wurde? Stirbt dann auch der Glaube? Oder erkläre ich es mir zurecht? Vielleicht, dass ich nicht genug gebetet habe? Möglichkeiten gibt es viele.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin der Überzeugung dass es Wunder gibt. Das brauchen nicht mal übernatürliche Sachen sein, aber Dinge, deren Zusammenhang so groß ist, dass ich als Mensch das nicht beeinflussen kann. Ich habe solche Sachen erlebt, aber mein Glaube ruht nicht darauf. Wunder sind geschehen, daran habe ich mich gefreut. Wunder sind ausgeblieben, aber mein Glaube ist nicht daran zerbrochen.
Die Botschaft vom Kreuz – Jesus Tod und Auferstehung – sind Mittelpunkt meines Glaubens – unseres Glaubens.
Wenn Paulus von Weisheit spricht, spricht er vom philosophischen Denken. Einer Weisheit, die die Erkenntnis als Erlösung versteht. Eine Weisheit, die erklärt warum Dinge so sind, wie sie sind. Eine Weisheit die mir bereiflich machen will, dass ich Erlösung erfahre, wenn ich nur das Richtige erkenne. Diese Erkenntnis kommt aus dem Menschen, nicht von Gott. Und wie will etwas, was aus dem Menschen kommt, das Kaputte, das Sündige, die Verletzungen der Menschen überwinden? Solche Erkenntnis kann nur eine vermeintliche Selbsterlösung sein. – Das geht nicht, denn ich kann mich nicht wie Münchhausen selbst aus dem Sumpf ziehen. Ich kann mich nicht selbst aus meinen Verfehlungen befreien. Das Prinzip verwirft Paulus zu recht. Ich brauche Hilfe von außerhalb.
Der Menschen Weisheit war schon lange vor den Griechen, nicht in der Lage, die Größe Gottes zu erkennen. Paulus klagt da in mehreren Briefen, dass die Menschen trotz Gottes Offenbarung nicht dessen Größe erkennen. Ich möchte da nur kurz auf die ersten Kapitel des Römerbriefes verweisen. Im Buch Hiob kommen Hiob und seine Freunde an die Grenzen ihrer Weisheit, weil Gottes Weisheit größer ist als menschliche Weisheit.
Dieses verfehlte Weisheitsstreben zieht sich bis in die heutige Zeit. So nützlich wissenschaftliche Theologie sein kann, sie muss sich messen lassen, an dem was sie dem Menschen heute zu sagen hat. So wichtig theologische Forschung ist, sie darf nicht Selbstzweck sein. Jede Wissenschaft muss den Menschen dienen.
Es geht in der Theologie um das Wort Gottes an den Menschen. Nicht an wenige Studierte – an alle. Als ich vor einigen Tagen über die Debatte eines Philosoph-Professors mit einem Theologiepropfessor in einer deutschen Wochenzeitschrift las, fragte ich mich: Reden die da vom christlichen Glauben? Was hat das noch mit der Botschaft vom Kreuz zu tun? Reden die von dem, was mir in meinem Leben Halt und Orientierung geben soll? Da fragt der Philosoph den Theologen: „Was bleibe von der Inkarnation der Fleisch- bzw. Menschwerdung Gottes in Jesus, wenn alles nur symbolisch zu verstehen sein?“ … Also: Was bleibt von Jesus, wenn ich sein Leben, sein Handeln, sein Sterben und seine Auferstehung nur symbolisch verstehe.
Interessant, da muss der Atheist den Theologen an seine Glaubenswurzeln erinnern. Da muss sich einer, der Gottes Wort verständlich machen soll, fragen lassen, ob er denn selbst Gottes Wort für wahr hält. Ebenso muss Paulus und die Korinther an den Kern des Glaubens erinnern.
Wie wirke ich denn auf meine Nachbarn, auf meine Mitmenschen, wenn ich die Kernaussagen der christlichen Botschaft relativiere? Ich werde unglaubwürdig. Genau so unglaubwürdig, wie wenn ein rauchender Vater seinem Sohn sagt, dass Rauchen sehr gefährlich ist.
Damit wir uns einmal vorstellen können, wie das Kreuz in Gesprächen auf andere gewirkt haben muss, denken sie sich einmal Folgendes. Und entschuldigen Sie bitte, es klingt makaber:
In der Chemnitzer Innenstadt wird seit langem gebaut. Auf dem letzten Baufeld in der City entsteht jetzt ein Bürohaus. Die Ausschreibung war allen offen. Genau so gut hätte dort eine neue Religionsgemeinschaft ihren Versammlungsraum bauen können. Ich spreche die ganze Zeit vom Kreuz, einem Folter- bzw. einem Mordinstrument in der Antike. Diese neue Religionsgemeinschaft könnte ebenso ein Symbol haben. Mitten im vorderen Bereich der Verkündigungshalle steht ein übergroßer, elektrischer Stuhl … Wäre solch eine Religion nicht eine Torheit? Wie geht es ihnen, bei dem Gedanken an eine Religion, die einen elektrischen Stuhl als Kernpunkt der Verkündigung hat. Unverständlich, wirr? So muss es damals den Griechen und Römern in der Umwelt der neutestamentlichen Gemeinden gegangen sein. Da gibt es eine Gruppe Menschen, die ein Mordinstrument verehren. Das ist das, was die Menschen gesehen haben.
Nein, ich will Gott nicht lästern. Keineswegs. Ich will dafür werben, – darauf aufmerksam machen, uns selbst einmal zu fragen, wie das, was wir von uns geben, bei unseren Hörern ankommt. Einfach das mal kritisch sehen, was wir sagen – durch Worte und durch Taten. Mein Dozent für altes Testament sagte immer wieder, stellen sie sich auf die Seite der Gegner – der Gegner Jesu oder der Gegner der Propheten – um die Herausforderung der Botschaft zu erkennen.
Scheint das Bild, was wir nach außen abgeben nicht auch manchmal wie Torheit? Da gibt es Theologen, die deuten alles symbolisch. Um nochmals aus der Zeitung mit dem Gespräch der beiden Geisteswissenschaftler zu zitieren: „Kann man unter den Bedingungen der Moderne überhaupt noch Christ sein, ohne Theologie studiert zu haben?“, fragt der Philosoph seinen Kontrahenten. Damit benennt er einen wunden Punkt: Eine Rede von Gott, die 1600 Jahre alte Bekenntnisschriften rezitiert, ohne sie in der Verkündigung in die Situation der Hörer hinein zu übersetzen, ist höchstens noch für wenige Intellektuelle interessant. Aber es gibt auch Wissenschaftler, die eifern nur für einen Glauben an die historischen Fakten und verlieren dabei die Botschaft vom Kreuz aus dem Blick.
Das Wort vom Kreuz wird nicht dadurch glaubwürdig, wenn ich diese Worte wieder und wieder sage. Es wird nicht glaubwürdiger, wenn wir wieder und wieder auf den historischen Fakt der Auferstehung verweisen. Es richtet nichts aus, wenn ich die Chance der Vergebung, die mir durch das Kreuz geschenkt wird, nicht annehme, nicht in der Vergebung lebe.
Das Kreuz Jesu bleibt in meiner Umwelt versteckt, wenn ich mich meinem Umfeld durch meine Art zu leben, mit der Art, wie ich meinem Mitmenschen begegne, nicht abhebe. Wenn ich das gleiche, sage und tue, wie einer, der ein Nicht- oder Andersgläubiger ist.
Das Wort vom Kreuz wird nicht dadurch glaubwürdig, wenn ich Gräben zwischen Christen aufreiße, anstatt Brücken zu bauen. Das Wort vom Kreuz bekommt keine Bedeutung, wenn ich meinen Bruder oder meine Schwester im Glauben – trotz unserer Verschiedenheit – nicht annehme, obwohl ich Liebe und Vergebung predige.
Wir müssen uns als Kirche fragen lassen,
wir müssen uns als Menschen, die das Evangelium in Gemeindekreisen, in Kleingruppen oder in Gottesdiensten verkündigen, fragen lassen
und ich muss mich als Prädikant fragen lassen…
Was ist der Kern meiner Verkündigung? Verkündige ich die gute Nachricht – die ja untrennbar mit dem Kreuz verbunden ist? Fördere ich die Einheit der Christen in der Gemeinde und darüber hinaus?
Lasst uns daran bauen, den Leib Christi – die Kirche – wieder zu einen.